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Ortstafel_Stammheim

Ein Hügelgrab in der Nähe der Straße nach Rodenbach zeugt vom Vorhandensein einer Ansiedlung in frühgeschicht licher Zeit. Möglicherweise gab es auch während des Limesbaus im 1.Jh.n.Chr. eine Ansiedlung auf Stammheimer Gemarkung. Im Jahr 830 wurde eine kleine Kapelle von Stammheim erwähnt. Doch die urkundlich verbriefte Geburtsstunde von Stammheim war erst das Jahr 1244 und so feierte man im Jahr 1994 „750 Jahre Stammheim“.
Lange Zeit (von 1405 bis 1806) gehörte der Ort zur Ganerbenschaft Staden und damit auch zum Gericht Staden. 1806 kam Stammheim in den Besitz des Großherzogtums Hessen. Seit 1874 gehörte es zum Kreis Friedberg. Mit der Gebietsreform wurde Stammheim im Jahr 1972 ein Stadtteil von Florstadt. Ganz Florstadt gehört seit dieser Zeit zum Wetteraukreis.

Stammheim war im Mittelalter bäuerlich geprägt. Grund und Boden waren im Besitz von Klöstern oder Adligen. Die Einwohner waren Leibeigene, arbeiteten als Knechte oder Mägde oder verwalteten kleine Höfe und mussten dann mindestens 10% der Erträge an die Besitzer abliefern. Zusätzlich zur Abgabenlast hatten Bauernhöfe und Gutshöfe oftmals durchziehende Soldaten zu versorgen und verloren dann einen Großteil der Ernte.

Vermutlich hat sich die Bevölkerung, wie in der Mehrzahl der umliegenden Orte, bereits im 16. Jahrhundert von der Reformation begeistern lassen. Ein Indiz dafür ist, dass der ursprüngliche Besitzer des Stammheimer Schlosses, der streng katholisch war, dieses Anwesen Ende des 17. Jahrhunderts verkauft hat. Katholische Familien hatten es in Stammheim lange schwer. Ihre Kinder mussten bis 1935 die Schule im Kloster Engelthal besuchen und legten den Weg dorthin täglich zu Fuß zurück.

 

Einige große Höfe in Stammheim wurden im 18./19. Jahrhundert von wohlhabenden und geschäftstüchtigen Bürgern oder von der Kommune gekauft und weitergeführt (z.B. Busecker Hof, Übergabe an Conrad Geis 1790). Nach Beendigung der Leibeigenschaft im Jahr 1811 erwarb die Gemeinde Stammheim zwei Gutshöfe (Schloss 1850, Rullmannshof 1890) und verkaufte Teile davon an kleine, weniger wohl habende Bürger zu günstigen Konditionen. 1828 wurde die neue Straße von Ranstadt über Staden auf besonderen Wunsch der Stammheimer nach zähen Verhandlungen und Übernahme nicht unwesentlicher Kosten durch Stammheim nach Ilbenstadt geführt. Die Ortsstraße war lange nur geschottert und erhielt erst nach der ersten Kanalisierung 1953 eine Teerdecke.

 

 

In Stammheim entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert ein florierendes Dorfleben mit mehreren Gaststätten, Geschäften und Handwerksbetrieben und zeitweise sogar mit zwei Tankstellen in der Schlossstraße und in der Hanauer Straße.

Etliche jüdische Familien lebten seit Generationen in Stammheim. 1938 wurden in der Reichspogromnacht ihre Geschäfte geplündert, einige flohen ins Ausland. Alle, die zurückblieben, kamen in Konzentrationslager, was die meisten nicht überlebten. (Näheres dazu auf Tafel 32). Im Zweiten Weltkrieg verloren auch 32 Stamm heimer auf den Schlachtfeldern Euro pas ihr Leben und nach dem Krieg musste Stammheim 287 Flüchtlinge aufnehmen und integrieren und hatte dafür sogar preisgünstiges Baugelände und Baumaterial zur Verfügung gestellt.

 

Heute ist der ursprünglich landwirtschaftliche Charakter des Ortes fast ganz verloren gegangen. Es gibt nur noch wenige Bauern und kaum Viehwirtschaft.
 

Trotzdem ist Stammheim ein lebendiger Stadtteil mit ein wenig Gewerbe, einem florierenden kleinen Lebensmittelladen, vielen Vereinsfesten (Traktorclub, Angler, Sportverein, Karnevalsverein und Chor) und mit einem guten Kinderbetreuungsangebot im Kindergarten, in der Grundschule, in der Schülerbetreuung und in den vielen aktiven Vereinen (Feuerwehr, Sport, Chor, Fußball).

Bildnachweis:

Luftbild: Wetterauer Copter / Andreas Pfeiffer

Postkarte: Stadtarchiv Florstadt

Alle Fotos: Sammlung Arbeitskreis Dorfgeschichte  Stammheim