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Ortstafel_Nieder-Mockstadt

Nach ersten Besiedlungen in der Jungsteinzeit (um 5000 vor Christus) sowie der Bronze- und Eisenzeit (siehe auch Infotafel 23) folgten Jahrhunderte ohne Aufzeichnungen über eine Besiedlung. Das heutige Nieder-Mockstadt liegt direkt am Limes (75 vor bis 250 Jahre nach Christi) außerhalb des römischen Reiches.


Im Jahr 930 wurde Nieder-Mockstadt zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Ort hieß damals „Inferior Muggunstat“, das unten gelegene Mockstadt. Im Siegel des Stifts Mockstadt finden wir die Bezeichnung „Moxstatt“, die sich lange hielt. Möglicherweise wurde der Name aus vorrömischer Zeit übernommen und kann aus dem keltischen „Mock“ oder „Moog“ (Mutterschwein) stammen. Die Jahrhunderte lange, enge Verflechtung des Dorfes mit dem Stift Mockstadt ist auf Infotafel 19 nachzulesen.

 

Angeregt durch den Dichter und Pfarrer (Alber) Erasmus Alberus wurde Nieder-Mockstadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts überwiegend protestantisch. Die gemeinsame Ober-Mockstädter Kirche wurde vorrangig zu einer evangelischen Kirche.

 

Während des 30jährigen Krieges (1618-48) litt die Bevölkerung. Schriftliche Ausführungen von Pfarrer Grato schildern die Nöte dieser Zeit: „An Weihnachten 1622 einquartiert und mit Pferden verkästet, zween Rittmeister, Leudenannt und Knecht neben etlichen Weibern undt Junge so über die 22 Personen gewest.“

Eine halbe Sau und zwei Schafe gingen mit. Außerdem wurden dem Pfarrer Tiere und fassweise Wein entwendet. Es wurde in den Dörfern gemordet und gebrandschatzt. Die meisten Einwohner verloren durch Brandstiftung ihre meist strohgedeckten Lehmhäuser. Im Jahre 1635 forderte die Pest dazu noch viele Todesopfer. Das Ende dieses fürchterlichen Krieges 1648 sollen in Mockstadt nur noch wenige Menschen erlebt haben. Es stand kaum noch ein unbeschädigtes Haus.

Verwaltungsmäßig kam Nieder-Mockstadt im 18. Jahrhundert zum Haus Ysenburg-Büdingen und hatte einen eigenen Amtssitz und Schultheißen. Seit dem Jahre 1816 gehörte das Gericht Mockstadt zum Großherzogtum Hessen. Der letzte Schultheiß (bis 1822) war Heinrich Bauer I. (Man spricht heute noch vom „Scholtese"). Der erste laut großherzoglicher Verordnung von 1821 gewählte Bürgermeister war Heinrich Ulrich II (ab 1822). Diesem folgten bis 1971 (Übernahme in die Großgemeinde) noch 10 Ortsoberhäupter.

Auch im 18. Jahrhundert hatte die Bevölkerung viel zu erleiden. Es gab Viehseuchen und im 19. Jahrhundert die Kartoffelkrankheit, die ganze Ernten vernichtete und ein Grund dafür war, dass viele Mockstädter auswanderten.

Nach dem 30jährigen Krieg siedelten sich im Dorf die in kleinen Orten üblichen Gewerbebetriebe an. Eine Besonderheit waren die lokalen Bierbrauer. Über der Tür des vierten Kellers in der Kellerstraße ist heute noch das Bierbrauerwappen aus dem Jahr 1690 zu finden. Der „Brauborn" lieferte das gute, saubere Brauwasser. Das Brauhaus wurde 1836 abgerissen.

 

Der fruchtbare Ackerboden eignete sich für den Anbau mannigfaltiger Produkte. Schon 1745 erwähnte man den Zwiebelanbau auf großen Äckern. „Muckschter Zwiwwen" und Knoblauch waren im weiten Umland bekannt.
Eine weitere Besonderheit in dieser Zeit war der Flachsanbau. Viele auf Dachböden gefundene Requisiten zeugen von der meist in Heimarbeit erfolgten Weiterverarbeitung des Flachses zu Stoffen.

 

Schon verhältnismäßig frühzeitig lieferten die Ziegeleien Baumaterial auch in Nachbardörfer. Mit dem Nieder-Mockstädter Sand – damals gab es kaum besseren – sind viele Bauprojekte hier und im weiten Umkreis verwirklicht worden. Großflächige Sandkauten entstanden auf der Gemarkung. Karl Kaul hat den Sandabbau gewerbsmäßig betrieben und auch sogenannten Formsand an die Buderusbetriebe geliefert, bis neue Gießverfahren eingeführt wurden.
1985 beschäftigten insgesamt drei Baugeschäfte, zwei Putzund Weißbinderbetriebe sowie drei Fabrikbetriebe, eine Druckerei und andere Büros zusammen 150 Arbeitskräfte.

 

Als erster Stadtteil in Florstadt erhielt Nieder-Mockstadt im Jahr 1907 eine öffentliche Wasserversorgung. Dies wurde mit einem Wasserfest gefeiert. Auf diesem Schwarzweißfoto sind fast alle Einwohner des Ortes zu sehen.

 

Seit 1972 gehört Nieder-Mockstadt zur Großgemeinde Florstadt und ist der zweitgrößte Stadtteil sowie Standort des größten Gewerbegebiets der Stadt, direkt an der Autobahn gelegen. Neben diesem Standortvorteil hat Nieder-Mockstadt eine lebendige Vereinskultur und eine engagierte Bürgerschaft.
Dank seiner Lage zwischen Wald, Obstwiesen und Aue, verbunden mit einer guten Verkehrsanbindung, ist NiederMockstadt ein liebenswerter Wohnort.

 

 

Bildnachweis:

Postkarte: Stadtarchiv Florstadt

Erasmus Alberus: Sammlung Arbeitskreis Dorfgeschichte Stammheim

Alle anderen Fotos aus Nieder-Mockstadt – Unser Dorf hat Zukunft, Hrsg. Stadt Florstadt, 201; mehrere Fotografen