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Ortstafel_Leidhecken

Der Ursprung des Dorfes Leidhecken geht auf eine frühe Siedlung der steinzeitlichen Michelsberger Kultur um 4000 v. Chr. zurück. Dies wurde im Jahr 1988 durch den Fund zweier Mahlsteine belegt. Leidhecken wurde von Konrad I (gestorben 918) dem Kloster Fulda geschenkt. Damit galt das Todesjahr von Konrad I als erstmalige urkundliche Erwähnung. Aus dieser Zeit stammen vermutlich die Grundmauern und baulichen Reste der noch heute genutzten hochmittelalterlichen Wehrkirche.

Das heutige Leidhecken liegt an der äußersten Spitze eines auslaufenden Bergrückens des Vogelberges, im Osten zwischen dem Mündungsdreieck von Horloff und Nidda, nach Westen durch den Taunus von der Oberrheinischen Tiefebene getrennt, in der Landschaft der Wetterau, mitten in Hessen.

Schon die Römer schlossen mit einem weiten Bogen des Limes diese fruchtbare Aue, auf deren Flur das spätere Leidhecken liegen sollte, großzügig ein. Zwei römische Wachtürme, auf Sichtweite errichtet, sicherten bis etwa 250 n.Chr., dem Ende der römischen Herrschaft, dieses Gebiet.


Ende 800 n. Chr. kam die Siedlung durch Gebietsschenkungen Karls des Großen und seiner Nachfolger zwischen Nidda und Horloff sowie auf dem rechten Horloffufer gelegen, in den Besitz der alten Reichsabtei Fulda, die 1064 eine urkundlich erwähnte Burg Bingenheim zur territorialen Sicherung errichten ließ. Dadurch wurde Bingenheim zu einem Hauptort dieser Fuldischen Mark und war bestrebt, Einfluss auf die Gerichtsbarkeit der umliegenden Dörfer, so auch seit 1537 auf Leidhecken, zu erlangen.

 

Als die Äbte von Fulda ihren wetterauerischen Besitz den Grafen von Ziegenhain zum Lehen überließen, diese aber bereits 1450 ausgestorben waren, traten die Landgrafen von Hessen deren Rechtsnachfolge an. Leidhecken wurde somit hessisch.

 

Im Jahr 951 erschienen erste Vermutungen zum Namen der Siedlung in einer Jagdberechtigung vom 8.1.951 für die Fuldische Mark, in der, wie bereits erwähnt, das heutige Leidhecken damals lag. 1150 wurde die erste schriftliche Benennung des Namens Leidhecken, im Codex Eberhardi des Mönchs Eberhard im Güterverzeichnis des Klosters Fulda festgehalten.
Weitere Jahrhunderte im Mittelalter vergingen, bis am 11.6.1348 der erste urkundliche Eintrag im Urkundenbuch des Klosters Arnsburg erfolgte.

Der Wandel und die Bedeutung des Namens Leidhecken von Leythecken, Leytekin, Leichiken, Leyteck, Leithecken bis Leidhecken heutiger Schreibweise geht wahrscheinlich auf die altdeutschen Bezeichnungen für Weg = Leita und Hecke = heck zurück und bedeutet Weg oder Heerweg am Gesträuch oder aktueller: Ort an der Hecke.

 

1368 wurde zum ersten Mal in Friedberg ein Leidhecker Bürgermeister. Die Reihenfolge setzte sich fort mit Dietrich von Leythecken aus Leidhecken; es folgten Ludwig von Leythecken von 1458-60 als jüngerer und 1463 als älterer Bürgermeister, sowie 1470 ein weiterer Ludwig von Leythecken als jüngerer und von 1476-98 sechsmal wiedergewählt als älterer Bürgermeister von Friedberg.


Das 17. und 18. Jahrhundert war geprägt durch Kriege. Während des 30-jährigen Krieges 1618-48 dezimierte sich die Bevölkerung auf ein Drittel. Im Siebenjährigen Krieg 1756-63 hatte Leidhecken durchziehende Militärs einzuquartieren und zu verpflegen. So mussten 380 Leidhecker Bürger dafür sorgen, dass 40 einzuquartierende ranghöhere Soldaten mit Tross und Pferden untergebracht und verpflegt wurden.

Es ist nicht verwunderlich, dass seit 1722 etliche Leidhecker ihr Glück in Übersee suchten. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts verließen rund 15% der Leidhecker ihr Heimatdorf mit unsicherem Ziel in Amerika, Russland, Polen oder Brasilien.

Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert forderten ihre Opfer. So wurden im Ersten Weltkrieg 65 Männer aus Leidhecken eingezogen, etliche sind gefallen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen in Leidhecken zu den 400 Einwohnern fast 100 Flüchtlinge hinzu, die hier eine neue Heimat fanden.

 

Leidhecken war und ist ein stark durch Landwirtschaft und Handwerk geprägtes Straßendorf. Der Ort entwickelte sich entlang einer alten Römerstraße von Echzell nach Staden (Verbindung zweier Römerkastelle). Ein größeres Neubaugebiet im Nordosten veränderte das Ortsbild in den 60er und 70er Jahren. Seit 1972 ist Leidhecken ein Stadtteil von Florstadt mit etwa 620 Einwohnern, davon haben rund 10% einen ausländischen Pass. Auch wenn kaum noch Geschäfte im Ortsteil existieren, gibt es engagierte Vereine (Obst- und Gartenbau, Feuerwehr, Sport), die das Leben in Leidhecken vielseitig und lebendig gestalten. Umfangreiche Bildchroniken über den Ort Leidhecken wurden 2016 und 2018 vom „Geschichtskreis Leidhecken“ erstellt und sind bei der Stadtverwaltung käuflich zu erwerben.

 

 

Bildnachweis:

Foto Kirche: Falk Sittner;

Skizze Leidhecken: Sammlung Geschichtskreis Leidhecken;

Postkarte: Stadtarchiv Florstadt;

2 Schwarzweißaufnahmen: Sammlung Geschichtskreis Leidhecken