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Ortstafel Nieder-Florstadt

Nieder-Florstadt ist mit 3.700 Einwohnern der größte der sechs Stadtteile Florstadts. Zur Infrastruktur gehören eine Haupt- und Realschule, Ärzte, eine Apotheke und für die Ortsgröße gute Einkaufsmöglichkeiten.

 

Der Ortsname unterlag einem steten Wandel über die Jahrhunderte. So gab es Namen wie Flagestat, Plagestat, Vlastat, Flonstat.

1716 hatten neben dem Kloster Fulda noch acht Adelsfamilien Besitzungen in Florstadt. Da die Obrigkeiten der Höfe weit weg waren, entwickelten sich verschiedene Berufe. Dies waren der Schultheiß, der Gemeindevorsteher, der Feldschütz, der Hirte, der Kornschätzer, der Spritzenmeister, der Glöckner, der Amtsdiener, der Polizeidiener und der Lehrer.

 

Bis 1818 gab es für Nieder- und Ober-Florstadt drei ehrenamtliche, ab 1820 jedoch nur noch einen hauptamtlichen Bürgermeister, dem zwei Beigeordnete und jeweils ein Gemeindevorstand pro Ortsteil mit neun Mitgliedern zur Seite stand. Die Gemeindekasse wurde gemeinschaftlich verwaltet.


Die Revolution 1848 brachte in Florstadt keine großen Veränderungen. Man machte sich friedlich an die Abschaffung missliebiger Dinge, wie das Vorrecht der „engeren Gemeinde“ an der Nutzung der Gemeindegüter und den Erträgen aus dem Gemeindeeigentum. Diese wurden fortan, nach Abzug der Kosten, unter allen Ortsbürgern verteilt. Die ursprünglichen Rechteinhaber der 153 Gemeindehäuser wurden einmalig mit je 154 Gulden (ca. 2.000,- €) abgefunden.

 

Die „moderne“ Zeit brachte eine Ortssparkasse und durch das Kreisamt bestimmte Briefkästen. Diese mussten von der Gemeinde bezahlt werden; der erste Briefkasten kostete 2 Gulden.

Mit beginnender Industrialisierung erhielt Ludwig Friedrich Buderus im Jahre 1882 die Genehmigung für den Abbau von Eisenerz. Da es jedoch keine geeignete Transportmöglichkeit gab, wurde von diesem Vorhaben abgesehen. Mehr Erfolg hatte ab 1884 der Zuckerrübenanbau, die Ernte wurde an die Zuckerfabrik in Friedberg geliefert. 1897 hielt die Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen ihren Einzug.

 

Seine heutige Struktur erhielt das Gebiet um Florstadt ab 1900 mit der ersten Begradigung von Horloff und Nidda.

Die Straßen innerhalb des Ortes Richtung Ober-Florstadt oder Staden wurden aus gebaut und es entstand eine neue nach DornAssenheim. Zeitweise waren hier bis zu 200 Arbeiter beschäftigt, zur Hälfte Italiener und Kroaten.
 

Die Flurbereinigung eröffnete den Florstädter Bürgern die Möglichkeit, Bauplätze zu bezahlbaren Preisen zu erwerben.
Das Jahr 1909 brachte den Bürgern die Wasserleitung. Es wurde immer schwieriger ertragreiche Brunnen neu anzulegen; außerdem überzeugten die guten Erfahrungen der benachbarten Gemeinden.

 

 

1913 markiert den Sprung in das elektrische Zeitalter. Die Stromleitung zum Kraftwerk Wölfersheim wurde gebaut und am 13. Juli erstrahlte die erste elektrische Straßenlampe. 1970 wurde mit dem Bau des Abwasserkanalnetzes begonnen. Die Inbetriebnahme der mechanisch-biologischen Gruppen kläranlage des Abwasserverbandes "Horlofftal“ , die eine Störung des biologischen Gleichgewichts verhindern soll, wurde 1985 in Betrieb genommen.


Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurden in den 1970er Jahren die Gemeinden Nieder-Florstadt, Ober-Florstadt, Staden, Leidhecken, Nieder-Mockstadt und Stammheim zusammengelegt und es entstand die Großgemeinde „Florstadt“. Die damit entstandene Gemeindefläche umfasst nun annähernd das Gebiet der ehemaligen Ganerbschaft Staden.

 

Friedel Münch mit seiner „Münch-RS“

 

Überregional bekannte Söhne Nieder-Florstadts sind Friedrich Ludwig Karl Weigand (erstes Bild) – ein Weggefährte der Brüder Grimm, Anton Lux und Friedrich (Friedel) Münch (linkes Bild).

 

Friedel Münch konstruierte und baute 1966 in der Altenstädter Straße mit seiner Münch „Mammut“ ein Motorrad, welches bis dato unbekannt war. Mit 1000 ccm und 55 PS Leistung war es das stärkste Motorrad seiner Zeit.

Münch setzte als erster Motorradbauer einen Reihen-Vierzylinder quer zur Fahrtrichtung ein und musste für die unglaublich großen Kräfte viele noch nicht gekannte Probleme lösen. Der Ersatz der Speichenradkonstruktion durch Gussfelgen sei als Beispiel genannt.

 

Karl Weigand erwarb sich große Verdienste um die deutsche Sprache und Literatur und war neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Privatdozent der erste Professor für Germanistik in Deutschland. Er war Mitherausgeber des „Deutschen Wörterbuchs“ und gilt als Vater der Wetterauer Mundartdichtung.

 

Anton Lux, hier nach der Ordensverleihung Ende 1952, erlernte den Beruf des Pflasterers. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei war er vielseitig politisch tätig, unter anderem als Bürgermeister von Nieder-Florstadt und als Landtagsabgeordneter.

Er ließ in Florstadt den "Saal Lux" errichten, in dem über Jahrzehnte große Teile des gesellschaftlichen und politischen Lebens der Stadt mit geprägt wurde.

Anton Lux nach der Ordensverleihung Ende 1952

 

 

 

 

Bildnachweis:

 

Federzeichnung aus Jürgen Wagner, Prof. Dr. Karl Ludwig Weigand, Der Wörtersammler, 2004;

Foto Friedl Münch: Privatarchiv Familie Münch 2004;

Postkarte Nieder-Florstadt, Bild Anton Lux und Arbeiter an der Nidda: Stadtarchiv Florstadt;